In guter Gesellschaft: Bergführer in Bayern und den Alpen

Das Bergführerwesen in Deutschland ist fest in bayerischer Hand. Der Bergführer-Verband hat seinen Sitz in Oberbayern, zuständig für die staatliche Prüfung von Bergführern ist die Technische Universität München. Außerdem leben 430 der 586 staatlich geprüften Bergführer, die im Verband deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) registriert sind, in Bayern.

Genauer gesagt im Süden Bayerns: Überwiegend dort, wo besonders prominente Gipfel oder Gebirgsgruppen liegen. Das Oberallgäu, also der Landkreis, der am weitesten in den Süden ragt, beheimatet 73 registrierte Bergführer. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen scharen sich 72 einheimische Bergführer in Zugspitz-Nähe, rund um den Watzmann im Berchtesgadener Land leben 44. Lediglich München als Stadt ohne Berganteil reicht mit 21 Bergführern an die „bergigen“ Landkreise im Süden heran. Was aber einfach an der großen Zahl von Einwohnern liegt, die Bergführer-„Dichte“ ist viel geringer als an der Landesgrenze im Süden: Auf 68.000 Münchner kommt – natürlich nur rein rechnerisch - ein Münchner Bergführer. Dagegen ist unter nur 1.200 Menschen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ein staatlich geprüfter Bergführer.

Im Nachbarbundesland Baden-Württemberg leben immerhin 56 staatlich geprüfte Bergführer. Die restlichen Bundesländer ohne Alpenanteil steuern nur 12 Mitglieder bei.

Immerhin rund 70 Mitglieder tummeln sich in alpinen Hotspots wie Chamonix, Zermatt - und natürlich in Österreich.

Alpenanrainer

Bergführer sind da, wo die Berge sind. Das sieht man nicht nur am Nord-Süd-Gefälle in Deutschland und in Bayern. Österreich und die Schweiz als Länder, die vollständig in den Alpen liegen, verzeichnen ähnlich viele Bergführer wie ihre deutlich größeren, bevölkerungsstärkeren Nachbarländer Frankreich und Italien. Die Bergführer-„Dichte“ ist in den beiden Kernländern am höchsten.

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Wo geführt wird

Bergführer leben dort, wo die Berge sind. Aber führen sie auch dort, wo sie leben? „Wenn jemand seinen Beruf über die Heimat gefunden hat, heißt das nicht, dass er nur in der Heimat führt,“ erklärt Michael Lentrodt, Präsident des VDBS. „In Deutschland führen wir zu 10 Prozent zuhause, zu 90 Prozent im Ausland. Zermatter Bergführer führen zu 90 Prozent zuhause - wir haben eben solche Top-Destinationen wie das Matterhorn nicht“. Dafür sind viele Bergführer heutzutage ganzjährig unterwegs, also auch in der Übergangszeit. Sie leiten Expeditionen und Trekkingreisen, außerdem gehören z.B. Sportkletterkurse in südlicheren als den bayerischen Regionen zum Standardangebot.

Viele Nebenerwerbs-Bergführer

Nur 130 von den 330 deutschen Bergführern, die der Verband als „aktiv“ zählt, sind hauptberuflich als Bergführer unterwegs, die anderen betreiben das Führen als Nebenerwerb. Michael Lentrodt sieht den Grund dafür in der starken körperlichen Anforderung: „Der Bergführer ist ein wunderschöner Beruf, aber es kann ein sehr harter Hauptberuf sein. Wer jede Woche unterwegs sein muss – das geht auf die Knochen“. Der Beruf habe in Deutschland auch nicht den hohen Stellenwert, den er in der Schweiz oder in Frankreich hat – außerdem würden ihn viele mit etwas „Luis-Trenker-haftem“ verbinden.

100 Jahre später: Bergführerinnen

Tatsächlich ist der Bergführerberuf in seiner mehr als 100-jährigen Tradition fast ausschließlich Männersache. Das trenkersche Haudegen-Image könnte auch manch eine Interessentin davon abgehalten haben, sich für den Beruf zu entscheiden. Nur zehn Bergführerinnen gibt es in Deutschland, im Frühjahr 2016 stehen drei weitere in der Ausbildung. Ursula Wolfgruber, porträtiert in der Doku „Eine besondere Menschheit“, ist eine davon.

Der zaghafte Trend zu mehr Bergführerinnen beginnt erst Anfang der 2000er Jahre, vor 1999 gab es nur zwei weibliche Bergführer. Dabei sind die Karriereaussichten gar nicht schlecht: Gudrun Weikert, seit 1986 die erste staatlich geprüfte Bergführerin Deutschlands, führt heute nicht nur Gäste durch die Berge. Sie ist als Vertreterin der TU München Chefin der Bergführerausbildung in Deutschland.