Die Ausbildung: Kann man in drei Jahren Bergführer werden - oder Bergführerin?

Sorry, nein.

Noch nicht mal, wenn alles perfekt läuft.

Selbst dann nicht, wenn alle Kurse der Ausbildung perfekt in den persönlichen Terminkalender passen, wenn alle Lehrgangsnoten und jede Prüfung im ersten Anlauf sitzen.

Gefragt sind erfahrene Alpinisten

Denn: Zugelassen zur Ausbildung zum „staatlich geprüften Berg- und Skiführer“ werden nur überdurchschnittlich versierte Allround-Alpinisten. Und das wird man nur durch jahrelange Bergerfahrung in allen Berg-„Disziplinen“ – die der Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) in einem Tourenbericht aufgeschlüsselt haben will.

Akzeptiert der Verband den Bericht, müssen die Kandidaten noch durch die „Eignungsfeststellungs-Prüfung“. „Wir prüfen, ob die Leute fertige Bergsteiger sind“ sagt Michael Lentrodt, Präsident des VDBS. „Wir bilden sie nicht zu Bergsteigern aus, wir bringen Ihnen Führen bei!“

Die Interessenten müssen beweisen, dass sie die Kondition und Ausdauer für lange und anspruchsvolle Touren mitbringen, Felsklettern im Schwierigkeitsgrad 6c+ und 80 Grad steile Eistouren beherrschen, dazu perfekt Skifahren auf der Piste und im freien Gelände – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Bis zu 40 Prozent der Interessenten scheitern laut VDBS an dieser Hürde.

Erst dann beginnt die eigentliche Ausbildung: 159 Ausbildungs-, Praktikums-und Prüfungstage bereiten die Bergführer in spe auf die Führungsaufgaben in den Bergen vor. Felsklettern, Skitour und Skihochtour, Skitechnik und Freeriden, Eis und Hochtouren stehen im Lehrplan. Dazu kommen Lehrgänge in Wetterkunde, Orientierung, Bergrettung, Lawinenwissen und Ökologie.

Bei idealen Bedingungen hat ein Kandidat nach drei Jahren den „staatl. geprüften Berg- und Skiführer“ in der Tasche. Meistens aber, besonders wenn die Ausbildung studien- oder berufsbegleitend absolviert wird, geht dafür mehr Zeit ins Land.

Was es kostet, was es bringt

„Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer“ ist eine geschützte Berufsbezeichnung. Der „Azubi“ gibt dafür etwa 10.000 Euro aus, inklusive einiger Nebenkosten und Kursgebühren, so eine grobe Schätzung des VDBS. Rund 4.000 Euro davon machen die Kurse aus – was nur die Hälfte der tatsächlichen Kosten deckt. Für die andere Hälfte der Kursgebühren kommen DAV und VDBS auf.

Was gibt es zu verdienen?

Die offizielle Empfehlung des Bergführerverbandes lautet 450 Euro pro Tag, inklusive Mehrwertsteuer. Bei selbstständigen Bergführern kommt theoretisch der volle Nettobetrag von 378 Euro an. Bergführer, die im Auftrag einer Bergschule arbeiten, sollen 300 Euro netto bekommen.

„Die Realität hinkt dem etwas hinterher“, erklärt Michael Lentrodt: „Was tatsächlich gezahlt wird, nähert sich dem an“.

Wer dahinter steckt

Deutsche Bergführer-Kandidaten müssen an die die Uni – zumindest auf dem Papier.

Das bayerische Kultusministerium als oberste Instanz in der Bergführerausbildung hat alle Aufgaben an die Technische Universität München (TUM) delegiert . Die Universität als verlängerter Arm des Ministeriums hat wiederum den VDBS mit der Ausbildung beauftragt, bei der Uni bleibt die Zuständigkeit für die staatlichen Prüfungen.

Um Aufgaben wie die Weiterentwicklung des Lehrplanes kümmert sich eine Ausbildungskommission, in der Vertreter vom Deutschen Alpenverein (DAV), dem Bergführer-Verband und der TUM sitzen.

Sie beruft auch die Bergführer-Ausbilder, die nicht nur didaktisch und mit überdurchschnittlicher Führungstechnik glänzen sollen. Sie sollen das verkörpern, was einen modernen Bergführer auszeichnet, sagt Lentrodt: „Das ist nicht derjenige, der den ganzen Tag schweigend vor seiner Gruppe herläuft. Der moderne Bergführer ist ein Dienstleister, der sich um seine Kunden kümmert und ihnen in freier Natur und bei geringem Risiko ein großes Erlebnis bieten möchte.“

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